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Seilschwebebahn auf den Lilienstein

Der ständig zunehmende Besucherstrom in die sächsische Schweiz und die gestiegenen technischen Möglichkeiten führen zu einigen kuriosen Projekten. Ein ähnliches Projekt gab es etwa 1880 schon im Bastei.

Seilschwebebahn 1911

Im April 1911 erschien in den lokalen Blättern unseres Gebietes, wie Sächsische Elbzeitung Schandau, Volkszeitung Pirna, Grenzblatt Sebnitz, Pirnaer Anzeiger und Dresdner Anzeiger je ein Hinweis auf den Bau einer Bergschwebebahn auf den Lilienstein. Der Redakteur des Königsteiner Anzeigers erfuhr aus "zuverlässiger Quelle", dass eine Zahnradbahn auf den Tafelberg führen solle.

ln der Ausgabe des Pirnaer Anzeigers vom 27. April l911 wird ausführlich auf das Unternehmen eingegangen. Der Artikel beginnt mit den Worten:

"Ein Projekt mit größter Wichtigkeit für Königstein und Umgebung unterliegt zur- zeit der Genehmigung der zuständigen Behörden, und zwar handelt es sich um nichts Geringeres als um die Erbauung einer Seilschwebebahn zur Beförderung von Personen vom rechten Elbufer (Obenkirchleitener Steinwerke) nach dem Plateau des Liliensteines. Auf Veranlassung des Herrn Bergmann-Lilienstein hat die Firma Adolf Bleichert u. Co., Leipzig Gohlis, einen Plan bzw. das Projekt dazu ausgearbeitet."

Diese Hoffnung auf eine Bergbahn war aber nur von kurzer Dauer, denn schon bald meldeten sich kritische Stimmen von nah und fern. Der Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz veröffentlichte einen Artikel von Dr. Weise in seinem Mitteilungsblatt ?Über Berg und Tal? vom 15. Juni 1911. Auf ironische Art beleuchtet er die Vor- und Nachteile. Da der Gebirgsverein jedoch kein wirtschaftlicher sondern mehr ein ideeller Verein ist, der besonders den Naturschutz auf seine Fahnen geschrieben hat, komme es ihm vor, als wenn man dem "König des Berglandes? ein Seil um den Hals legt. Die wirtschaftliche Hebung unseres Gebietes sei zwar erstrebenswert, doch die anderen Bergwirte der Sächsischen Schweiz könnten dann auch verlangen, das ihre Gaststätte denselben Vorteil erhält.

Am 1. Juli 1911 veröffentlichte der Landesverein "Sächsischer Heimatschutz" - vertreten durch Prof. Dr. Parl Schumann -ein Gutachten, in dem in scharfer Worten eins Seilschwebebahn "für alle Zeiten" abgelehnt wurde. Diesem Projekt wurde daraufhin auch von den zuständigen Stellen die Genehmigung versagt.

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Seilschwebebahn 1926-1927

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges und der folgenden Inflation konnte sich die Wirtschaft wieder zivilen Projekten zuwenden, die Befürworter der Seilbahn auf den Lilienstein unternahmen deshalb auch einen weiteren Versuch zur Durchführung ihres Vorhabens. Im Königsteiner Anzeiger vom 30. Nov. 1926 erschien ein Artikel mit folgendem Wortlaut:

?Wir hörten mit Freuden, dass das früher gefasste Projekt der Errichtung einer Drahtseilbahn nach dem Lilienstein nunmehr wieder aufgetaucht ist. Dieselbe soll hier über die Bahnanlage hinweg geführt werden und mit einer Zwischenstation Halbestadt- Ebenheit versehen werden. Wie wir hören, soll die Anlage derartig modern gebaut werden, dass an einer Verschandelung unserer Gegend keineswegs zu denken ist. Merkwürdigerweise soll sich der Heimatschutz wieder gegen dieses Projekt ausgesprochen haben. Man muß aber bedenken, dass nicht immer Schönheitssinn (der hier voll gewahrt wird!) denken kann, wenn unsere Bevölkerung Verdienste haben soll ? ?

Doch schon am 1. Dez. 1926 finden wir Widersprüche vom Heimatschutz und Gebirgsverein. Die Talstation sollte zwischen Schiffsbauplatz und Bahnhof errichtet werden (oberhalb der Bahnlinie). Dies wurde begründet, dass bei Eisgang und Hochwasser die andere Elbseite erreichbar ist. Natürlich war auch der Zugang vom Bahnhof und der Schiffsanlegestelle relativ kurz.

Die Seillänge betrug ca. 1100 Meter. Die Bergstation sollte wie 1911 auf dem östlichen Teil des Liliensteins gebaut werden.

Die umliegenden Verbände befürworteten den Bau. Auch die Sektion Königstein des Gebirgsvereins sympathisierte sich für das Projekt, im Gegensatz zum Hauptverein. Der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs für Königstein und Umgebung monierte die schleppende Bearbeitung des Gutachtens des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Nach 12 Wochen überreichte der Verein dem zuständigen Finanzministerium eine Abschrift des Gutachtens von 1911. Sieben Naturvereine schlossen sich vollinhaltlich an.

Am 27. Januar 1927 kommentierte der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs das Gutachten das Gutachten des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.: " Die Verwerfung des Planes durch den Verein Sächsischer Heimatschutz lässt sich lediglich aus einer völlig einseitigen Einstellung heraus erklären". Von seiner Majestät wird der Lilienstein nichts einbüßen, er ist und bleibt der Mittelpunkt der Sächs. Schweiz?.

Dr. Lampe vom Gebirgsverein unterstreicht in der Februarausgabe 1927 von ?Über Berg und Tal? die ablehnende Haltung des Gebirgsvereins und weist auch auf die Eingabe vom 19. Juni 1911 hin.

Am 19.02.1927 stand in den lokalen Blättern folgendes: "Die Seilschwebebahn auf den Lilienstein ist abgelehnt. Die Zustimmung zum Bau einer Seilschwebebahn über forstliches Gelände ist seitens des Finanzministeriums unter Beitritt zu den durch die Presse bekannt gewordenen Ausführungen des Vereins Sächsischer Heimatschutz, dem sich zahlreiche Wander- und Naturschutzvereine angeschlossen haben, abgelehnt worden".

Resignierend wird im Königsteiner Anzeiger geschrieben:

"Es ist zu bedauern, dass sich das Finanzministerium immer wieder durch die Ansicht einiger Großstädter, die ja an unserer Heimat erst in zweiter Linie an Anrecht haben, beeinflussen lässt? Hoffentlich lässt es unsere Stadtverwaltung hinter welcher unsere gesamte Bevölkerung und zahlreiche auswärtige Kreise stehen, nicht bei diesem Beschluss bewenden?"

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Seilschwebebahn 1930-1931

Der vorerst letzte ernsthafte Versuch, eine Seilbahn auf den Lilienstein zu bauen, erfolgte im Herbst 1930. Die Stadt Königstein wandte sich an die zuständigen Stellen in Dresden. Planungsunterlagen und Baufirma waren vorhanden. Es handelte sich um den Betrieb von Curt Rudolph in Leipzig.

Doch wie zu erwarten - alle Touristenverbände legten ihr Veto ein. Neben den wirtschaftlichen Bedenken führten die Heimatverbände besonders die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ins Feld. Beide Seiten beharrten jedoch auf ihrem Standpunkt. Die Königsteiner führten z.B. an, dass beim Bau des Eisenbahn-Viaduktes auch keine Rücksicht auf das Landschaftsbild genommen wurde. Die Deutsche Bergwacht Abteilung Sachsen e. V. rief zu einer Protestversammlung in Dresden auf. Am 16. Januar 1931 fand diese unter schwacher Beteiligung statt. Redner waren Professor W. Paulcke, Karlsruhe - ein Kenner der Sächsischen Schweiz - und Dr. jur. R. Fehrmann, Vorsitzender des Sächsischen Bergsteigerbundes. Mit mehr oder minder überzeugenden Worten lehnte sie den Bau grundlegend ab. Rudolf Fehrmann sagte aber auch:

"Na, wenn die Bahn die Bahn doch gebaut wird, fahre ich auch' mal mit.!"

So wurde viel geredet und viel geschrieben. Doch entschieden hatte das Ministerium des Inneren schon am 13. Januar 1931. Das ablehnende Gutachten beginnt mit den Worten:

? Das Ministerium des inneren ist Grund des Ergebnisses eingehender Erörterungen und Sorgfältiger Erwägungen im Einvernehmen mit dem Finanzministerium nicht in der Lage, der Firma Curt Rudolph in Leipzig auf ihr durch den Stadtrat vorgelegtes Gesuch vom 27. Februar 1930 die Genehmigung zum Bau einer Drahtseilschwebebahn für Personenbeförderung von der Stadt Königstein auf den Lilienstein in Aussicht zu stellen?. ?

Das Ministerium verweist auf Gutachten des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, des Sächsischen Verkehrsverbandes und des Regierungskommissars für elektrische Bahnen, die es zu Rate gezogen habe. Außerdem sei eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vorgenommen worden. Die größten Bedenken gäbe es jedoch in der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.

Die Firma Rudolph war dazu nicht mehr in der Lage und musste 1933 in Konkurs gehen. ln Anbetracht des Untergangs verfasste der Firmenbesitzer noch ein geharnischtes Widerspruchsschreiben.

Es wird u.a. noch darauf verwiesen, dass der sächsischen Wirtschaft keine finanziellen Mittel entzogen würden. Zur Finanzierung sei genügend Privatkapital vorhanden. Beamte haben jedoch meist Recht, und so blieb es bei der Ablehnung. Als Trostpflästerchen stand der Bau einer Fußgängerbrücke von Königstein nach Halbestadt im Raum. Königstein lehnte dies jedoch ab. Der Stadt wären ja z.B. dadurch die Einnahmen der Fähre entgangen. Fakt ist:
Eine Firma macht Pleite. 400 Leuten entging der Verdienst beim Bau der Bahn. 13 Personen erhielten keine Daueranstellung.

Es gab ja noch mehr solche hochtrabende Pläne für den Lilienstein:

- Schon 1930 war eine Bahn von Königstein zur Festung und weiter zum Lilienstein geplant.
- Nach der Wende wurde Antrag gestellt, den Telekom-Mast bedeutend zu erhöhen.
- Schließlich sollte eine Christusfigur vom Fels auf unsere Heimat herabschauen.

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Letzte Änderung am 14.10.2012

  Kontakt: goldi@hm-noroc.de



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