>>>>>>>>>>Die Hügelbauende Waldameisen <


Einleitung:

Man nimmt an, dass Weltweit ca. 12000 Ameisenarten existieren. Davon Leben mit Abstand die meisten Arten in den tropischen Gebieten der Erde. Europa und auch Deutschland beherbergen dazu vergleichbar wenige Arten. So Leben zum Beispiel im Amazonasgebiet bis zu 300 verschiedener Arten auf einem Hektar. Im Vergleich dazu, wurden in ganz Deutschland bisher insgesamt nur 114 Arten nachgewiesen.

Die Ameisen können auf eine Stammesgeschichte von über 100 Millionen Jahren zurückblicken. Erste Nachweise wurden auf ein Alter von ca. 135 Mill. Jahre datiert. Das ist die Zeit, in der die Dinosaurier unseren Planeten besiedelten. Diese historischen Nachweise gelangen mit Hilfe von im fossilem Harz (Bernstein) eingeschlossener Tiere. Das sie schon so lange Existieren, ist ein deutlicher Beleg den Erfolg ihrer ausgeklügelten Überlebensstrategie.

Die heute lebenden Ameisen variieren sehr stark in ihrer Größe. Diese liegen zwischen unter einem Millimeter und ca. 4,5 cm bei den in Australien und Neukaledonien lebenden Bulldoggenameisen . Sie können mit ihrem Giftstachel sogar dem Menschen gefährlich werden (allergischem Schock). Die Große der Arbeiterinnen unserer einheimischen Waldaameisen schwankt zwischen 6 und 10mm.


Soziale Lebensweise der Ameisen:

Die Ameisen gehören wie auch die Bienen, Wespen, Hummeln und Termiten zu den staatenbildenden oder sozialen Insekten. Von Wissenschaftlern wird dieses soziale Zusammenleben von Insekten nochmals in mehrere Stufen untergliedert.

1. quasi-soziale Insekten (fast)
2. semi-soziale Insekten ("semi" = halb)
3. eusoziale Insekten ("eu" = echt).

Die Ameisen haben dabei die höchste Stufe des Zusammenlebens innerhalb einer Art erreicht, und werden deshalb als eusozial bezeichnet. Die einzelnen Stufen auf werden auf http://www.ameisen-net.de unter eusoziale Insekten genauer beschrieben.

Die Völker der Hügelbauenden Waldameisen können dabei Volksstärken von mehreren Hundert bis zu mehreren Millionen Tieren erreichen. Was aber unterscheidet ein alleinlebendes, sogenannten solidere Lebewesen, von einem in einer sozialen Gemeinschaft lebenden Insekt?

- Das Überleben eines sozialen Insektes ist nur in einer Gemeinschaft möglich. Eine einzelne Ameise ganz auf sich allein gestellt, ist nicht überlebensfähig, und würde nur wenige Tage überleben.

- Ein weiterer Unterschied ist die Arbeitsteilung. Zum einen sind das die unterschiedlichen Kasten der Ameisen, wodurch die Vermehrung von den verschiedenen Arbeitsleistung getrennt wurde. Die Königin hat nach ihrer Befruchtung als alleinige Aufgabe, Eier zu legen, und so das Bestehen des Nestes zu sichern.

Interessanterweise hat sich die Form des sozialen Zusammenlebens mehrfach, unabhängig voneinander Entwickelt, und bis in die Gegenwart erhalten.

Ich denke hier an die Termiten, deren Lebensweise auf dem ersten Blick denen der Ameisen ähnelt. Aber beide sind nicht direkt miteinander verwandt. Während die Ameisen den Hautflüglern zugerechnet werden, sind die Termiten mit den Schaben verwandt. Auch durchleben die Ameisen eine vollständige Metamorphose vom Ei, Larve, Puppe zum Imago, dem erwachsenen Insekt. Sobald sie sich von ihrem Puppenkokon befreit haben ist auch ihre Lebensgröße erreicht. Die Termiten hingegen schlüpfen als vollentwickeltes Insekt aus dem Ei und wachsen bis ins Erwachsenenstadium hinein.

Interessant ist, das es auch unter den Säugetieren eine sozial lebende Art gibt. Hierbei handelt es sich um den afrikanischen Nacktmull.


Stellung der Hügelbauenden Waldameisen in der Insektenwelt:


Die Kasten der Waldameisen:

Als Kasten werden die unterschiedlichen Gruppen innerhalb einer Art bezeichnet. Bei den staatenbildenden Insekten sind diese für völlig verschiedene Aufgaben zuständig. So ist unter anderem die Fortpflanzung völlig von der Brutpflege entkoppelt. Die damit verbundene Vielgestaltigkeit eines Ameisenvolkes wird sozial oder Kasten- Polymorphismus bezeichnet. Die dabei entstandenen unterschiedlich, äußerlich sichtbaren Merkmale, sind ein wichtiges Merkmal von Insektenstaaten.

Bei den Ameisen gibt es drei sogenannte Kasten, die Königin, die Männchen und die Arbeiterinnen. Jede von ihnen hat völlig unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen. Daraus folgt auch das schon erwähnte unterschiedliches Aussehen. Die Entstehung der einzelnen Kasten ist ein sehr komplexer Prozess.

Königin:

Die Entstehung der Kasten
Die Kasten der Ameisen

Die Königin ist mit 9 bis 11mm etwas größer als die Arbeiterinnen. Ihr Körperbau ist den speziellen Aufgaben entsprechend angepasst. Das hintere Segment (Gaster) ist größer als bei den Arbeiterinnen und auf seine wesentliche Aufgabe, die Eiablage, perfekt angepasst. Auch das mittlere Segment ist sehr kompakt aufgebaut. Es enthält die Muskulatur für die Flügel, die nach deren Abwerfen, die Energie für eine Koloniegründung liefert.

Bei der Befruchtung durch das männliche Geschlechtstier erhält der Königin so viel Samen, dass er ausreicht um ein Leben lang befruchtete Eier zu produzieren. Ihre einzige Aufgabe wird in Zukunft darin bestehen, Eier zu legen und damit das Fortbestehen des Volkes zu gewährleisten. Die Königin kann dabei ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen, und im Verlauf ihres Lebens bis zu einer Millionen Eier legen.

Männliches Geschlechtstier:

Die Männchen, auch Drohnen genannt, entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern der Königin. Sie erreichen in etwa die Größe der Königinnen und tragen wie auch die Jungköniginnen Flügel. Ihr Körper ist in der Regel schlank und ganz schwarz.

Nach der Begattung der Weibchen, die meist innerhalb von 14 Tagen nach den schlüpfen stattfindet, ist ihre Aufgabe erfüllt und sie sterben.

Arbeiterinnen:

Sie entstehen aus befruchteten Eiern der Königin. Die flügellosen Arbeiterinnen variieren stark in der Größe (4 bis 9mm). Ihr Alter der kann immerhin 4 bis 6 Jahre erreichen.

Die Kaste der Arbeiterinnen wiederum teilt sich die verschiedenen Arbeiten im und um das Nest. So gibt es unter anderen Spezialisten für Brutpflege, Nestbau und Verteidigung usw..


Kastendetermination:

Eine wichtige und ungemein interessante Frage in der Ameisenforschung ist, welche Faktoren führen zur Herausbildung der Unterschiedlichen Kasten? Die Entscheidung, was sich aus einem Ei entwickelt, ist nicht nur auf einen äußeren Einfluss, sondern auf eine Mischung mehrerer zurückzuführen.

Die Königin legt im Laufe des Jahres zwei unterschiedliche Typen von Eiern: Dies sind die Wintereier und die Sommereier. Die Wintereier sind die ersten nach der "Sonnung" gelegten Eier. Sie sind größer als gewöhnliche Eier, und werden auch als Polplasma-Eier bezeichnet. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass diese Eier eine größere Menge Polplasma enthalten, welches im Mikroskop als dunkler Fleck zu erkennen ist.

Aus diesen Eiern entstehen in der Regel die männlichen und weiblichen Geschlechtstiere. Die Entscheidung welches Geschlecht sich entwickelt, entscheidet die Umgebungstemperatur bei der Eiablage. Die Samenpumpe der Altkönigin tritt erst bei einer Temperatur von 19 Grad in Aktion. Oberhalb dieser Temperatur entstehen die befruchteten Königinnen, unterhalb dieser, die männlichen Drohnen.

Jetzt müssen noch zwei weitere zusammenhängende Bedingungen erfüllt sein, damit auch wirklich Geschlechtstiere das Nest verlassen können:

Das sind die Abwesenheit der Königin nach der Eiablage und eine spezielle Ernährung der Larven mit der sogenannten Ameisenmilch die sich aus verschiedenen Drüsensekreten zusammensetzt. In der Regel werden die Wintereier im oberen Nestbereich abgelegt. Anschließend zieht sich die Königin in die tieferen Bereiche des Nestes zurück um Sommereier zu legen. Würde die Altkönigin bei den Larven der Wintereier bleiben würde alle die normale Nahrung aus den Sozialmagen der Arbeiterinnen erhalten. Die Folge wäre, aus den befruchteten Eiern entstehen Arbeiterinnen, und die männlichen Larven würden absterben.

Aus den Sommereiern, die von der Königin in den Zeit von Mai bis August gelegt werden, entwickeln sich immer Arbeiterinnen.


Zusammenfassend kann man sagen:

In einem Ameisenvolk findet man:

ständig:

- eine oder mehrere begattete, eierlegende Königinnen
- eine große Anzahl unfruchtbarer Arbeiterinnen

zeitweise:

- männliche und noch unbegattete weibliche Geschlechtstiere
- Eier, Larven und Puppen




Aufbau und innere Organe der Ameisen

Der Körper der Ameisen gliedert sich in drei, deutlich voneinander getrennte Abschnitte: Kopf, Brust und Hinterleib. Bei den Hügelbauenden Waldameisen befindet sich zwischen der Brust und Hinterleib, dass sogenannte Stielchen oder auch "Schuppe" genannt.

Der Kopf ist der Sitz der meisten, für die Kommunikation wichtigen Sinnesorgane. Hier sind vor allem die Facettenaugen und die Fühler zu erwähnen. Die beiden, sehr beweglichen Fühler, sind mit zahlreichen "Haarsensillen" ausgestattet.

Die inneren Organe der Ameisen
innere Organe der Ameise

Der mittlere Abschnitt, die Brust, dient hauptsächlich der Fortbewegung, die mit Hilfe von drei Beinpaaren erfolgt.

Der Hinterleib, Gaster genannt, dient neben der Verdauung auch der Verteidigung mit Hilfe einer Giftdrüse erfolgt. Im Gegensatz zu anderen Ameisen besitzen die Hügelbauenden Waldameisen keinen Giftstachel sondern eine Giftdrüse. In Ihr wird 60% Ameisensäure gebildet die sie bei Gefahr auf ihr Opfer spritzt. Ameisensäure im Brennesselgift enthalten. Bis Ameisensäure - E 236 In niedriger Dosis unbedenkliches Konservierungsmittel. Seine Verwendung wurde Ende 1998 untersagt. Seither trägt es auch keine E-Nummer mehr. Wird auch zur Milbenbekämpfung in Bienenstöcken verendet. Hier befindest sich auch neben den für Insekten typischen Organen, der Kropf oder Sozialmagen, in dem die Nahrung in das Nest transportiert wird. Er kann sich nach der Nahrungsaufnahme auf das mehrfache seiner ursprünglichen Größe erweitern.

Er ist durch eine Art Ventil mit dem Mitteldarm verbunden. Nur bei geöffneten Ventil kann Nahrungsbrei in den Mitteldarm gelangen. Von der im Kropf gespeicherten Nahrung gelangt nur ein Teil in den Mittelmagen. Der andere Teil wird wieder zur Mundöffnung transportiert und dient als Nahrung für die Artgenossen die im Nest ihre Arbeit verrichten.

Bei den Ameisen liegen einige Organe Seitenverkehrt im Körper. Das Herz liegt in Form eines Herzschlauchs auf dem Rücken und die, bei uns Menschen als Rückenmark bezeichneten Nervenfasern, liegen bei den Ameisen als Bauchmark auf der Vorderseite.


Schutz Hügelbauender Waldameisen:

Nest der kahlrückigen Waldameisen
Nest der kahlrückigen Waldameise

Der Schutz der Hügelbauende Waldameisen hat in Deutschland eine lange Tradition und lässt sich bis in das Jahr 1724 zurückverfolgen. In diesem Jahr wurden in Preußen die Roten Waldameisen unter Schutz gestellt.

Anlass hierfür war ein großer Nonnenbefall, der zu einem großflächigen Kahlfraß der deutschen Wälder führte. In diesen von der Nonne kahlgefressenen Flächen gab es immer wieder sogenannte „"grüne Inseln"“, die auf ungeklärte Weise, vom Kahlfraß verschont wurden. Intensive Nachforschungen ergaben bald einen Zusammenhang zwischen den "grünen Inseln" im Wald und den hügelbauenden Waldameisen.

Der große Nahrungsbedarf der Ameisen hielt den Nonnenbefall in der Umgebung ihrer Nester bzw. Kolonien gering, und verhinderte somit den kahlfraß und damit das Absterben der Bäume.

Auch heute stehen die hügelbauenden Waldameisenarten unter Schutz. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§44) vom 01.03.2010 gehören sie zu den besonders Geschützten Arten.




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Literaturquellen:

-[1] Waldbewohnende Ameisen- Dr. Dr. Gustav Wellenstein (1990)


Interessante links :

- Ameisenschutzwarte Sachsen e.V.

- Ameisen Wikipedia

- Ameisen Wikipedia formica >

- Ameisen Wiki

- Von Walter Kirchner - Die Ameisen: Biologie und Verhalten

- Was ist Was. Bienen und Ameisen Von Dr. Sabine Steghaus-Kovac

- Christian Platner - Ameisen als Schlüsseltiere in einem Grasland: Studien zu ihrer Bedeutung für ..

- Ameisenheft für Kinder (Herausgeber: Sachsenforst - Freistaat Sachsen)

- Ameisen und Briefmarken (sehr interessante Beschreibung mit vielen interessanten Informationen


Letzte Änderung am 04.08.2014

  Kontakt: goldi@hm-noroc.de


Bücher zum Thema
Ameisen:


Auf den Spuren der Ameisen:
Die Entdeckung einer faszinierenden Welt

von Bert Hölldobler


Einführung in das Leben der Ameisen:

Walter Kirschner - Ameisen - Biologie und Verhalten


Kompakte Abhandlung zum Thema
Hügelbauende Waldameisen


Otto- Die Roten Waldameisen


Wer mehr Wissen will:

Karl Gößwald - Die Waldameisen: Biologie- Ökologie und forstliche Nutzung

Wer sich intensiver mit Waldameisen beschäftigen möchte


Für Experten
mit Bestimmungsschlüssel:

Bernhard Seifert- Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas