>>>>>>>>>> Ameisengäste (Myrmekophile) <


Ameisen leben in ihren Nestern nicht allein. Es sind ca. 3000 tausend verschiedene Insektenarten bekannt die mit und von Ameisen leben. Der Wissenschaftliche Name für das Zusammenleben von Ameisen und anderen Mitbewohnern in ihren Nestern heißt Myrmekophile.

Diese "Gäste", die sich im Nest aufhalten werden meist in drei Gruppen eingeteilt.

- Synoekie (Synoeken)

Die Gruppe der Synoeken sind recht harmlose Untermieter, und fügen den Ameisen meist keinen größeren Schaden zu. Sie haben sich an ein Leben mit den Ameisen hervorragend angepasst und verschiedene Strategien entwickelt um sich vor denen Angriffen zu schützen.

Das sind:

Synoeken des Fluchtyps

Sie sind meist so flink, dass sie sich den Zugriff der Ameisen entziehen können. Auch sind sie häufig so klein das sie sich im Nest in entlegene Ecken zurückziehen können.

Beispiele:

Ameisensilberfischchen (Atelura formicaria) entgeht durch flinke Bewegungen den Ameisen. Es lebt hauptsächlich von Abfällen

Der Weiße Springschwanz ist ebenfalls ein Fluchttyp. Er ist klein und überaus flink um den Ameisen zu entgehen. Er wird von den Ameisen wenig beachtet und ernährt sich ebenfalls von deren Amfällen.

Auf Grund seines Körperbaues und seines schnellen Verhaltens ist Kurzflügelkäfer der Gattung Dinarda für Ameisen nahezu unüberwindbar. Sie ernähren meist sich von noch nicht entfernten toten Ameisen und Nahrungsresten. Gelegentlich allerdings nehmen diese Käfer teil an der Nahrungsübergabe von sich fütternden Ameisen [2]. Gefährlich wird es für sie wenn sie dabei von den Ameisen bemerkt werden. Aber die Dinarda wissen sich zu helfen

- angepasste Körperform

In diese Gruppe zählen einige Silberfischchen, Springschwänze, Fliegenlarven, Ameisengrillen und besonders Käfer.

- Gehäuse und Schutzkörper

Manche sind durch Gehäuse und Köcher schwer von den Ameisen anzugreifen, hierzu gehören z. B. die Larve der Motte Hypophrictoides dolichoderella und des Vierpunkt-Ameisenblattkäfer (Clytra quadripunctata) sowie Ameisen-Sackkäfer(Clytra laeviuscula).

Ein interessanter Trick wird von diesen beiden Käferarten angewendet. Beide Arten sind sich sehr ähnlich und lassen sich nur schwer unterscheiden. Ihre Fortpflanzung unterscheidet sich wenig.

Nach der Paarung legen die Käfer ihre Eier in der Nähe von Ameisennestern ab. Anschließend ummandeln sie die mit schuppenförmigen Kotstücken das die Eier wie kleine Zapfen aussehen. Das ganze wird in das Nest der Ameisen getragen. Nach der Entwicklung zu Larven ernähren sie sich von Abfällen aber auch der Ameisenbrut. Immer von einer schützenden Kothülle umgeben dauert die Entwicklungszeit der Larve meist zwei Jahre. Nach einer anschließenden kurzen Verpuppungsphase verläßt der fertige Käfer das Ameisennest.

Andere ahmen den typischen Geruch eines Ameisenstaates nach, oder ähneln ihren Wirten im Verhalten und Aussehen. Zu diesen Ameisen-Mimetikern gehören verschiedene Käfer: Der Glanzkäfer Amphotis marginata versteckt sich tagsüber in der Nähe von Lasius fuliginosus-Nestern; nachts bettelt er auf den Straßen dieser Ameise Arbeiterinnen an und wird tatsächlich von ihnen gefüttert.

Hier noch einmal eine Liste der Arten:

- Großer Rosenkäfer (Protaetia aeruginosa)
- Ameisen-Sackkäfer(Clytra laeviuscula)
- Vierpunkt-Ameisenblattkäfer (Clytra quadripunctata)
- Weiße Springschwanz - (Cyphoderus albinus)
- Ameisensilberfischchen (Atelura formicaria)
- Glanzkäfer (Amphotis marginata)
- Kurzflügelkäfer der Gattung Dinarda
- - Ichneumon eumerus - seltene Schlupfwespe
- Ameisengrille Myrmeecophila acervorum

- Synechthrie (Synechthren)

Ein weitere Gruppe der Im Ameisennest lebenden Insektenarten sind die sogenannten Synechthren die sich von der Brut aber auch den Arbeiterinnen ernähren. Sie fügen den Ameisenstaat dierekten Schaden zu. Sie haben im Laufe der Evolution ausgeklügelte Strategien entwickelt um sich den Angriffen der Ameisen zu entkommen. Sie Nutzen hierzu ihre Schnelligkeit, mechanische und chemische Mittel.

Beispiele:

Bläulinge

Viele der zur Familie der Bläulinge gehörenden Schmetterlinge leben in einer engen Wechselbeziehung zu Ameisen. Beispiele sind der dunkle und helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling.
Die Ameisenbläulinge legen 250 bis 500 Eier an die Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfes. Hier bohren sich die Larven ein und fressen die Blütenköpfe aus. Ende August bis Anfang September sondern die Raupen ein süßliches Sekret ab das Ameisen anzieht. Als mutmaßliche Nahrungsquelle werden sie in die Nester der Ameisen geschleppt und gefüttert. Die Larve ihrerseits ernährt sich von der Ameisenbrut und kann bis zu 600 Ameisenlarven bis zu ihrer Verpuppung fressen. Nach der Überwinterung verlässt das fertige Insekt das Nest. Weitestgehend ungeklärt wie der fertige Falter das Nest verlassen kann ohne von den Ameisen gefressen zu werden.

Diese Lebensweise sorgt dafür das die Larve im Ameisennest vor Fressfeinden geschützt ist und sich weitgehend ungestört zum Schmetterling entwickeln kann.

Weitere Bläulinge die auf diese oder ähnliche Weise vermehren sind der Schwarzgefleckten Bläuling, und der Lungenenzian-Ameisen-Bläuling (Maculinea rebeli).

Diese Lebensweise bringt für die Bläulingsarten nicht nur Vorteile sondern auch Abhängigkeiten mit sich. Sind die für eine erfolgreiche Fortpflanzung erforderlichen Pflanzen und Tiere nicht im Umfeld vorhanden wird auch der Bläuling in diesen Gebiet aussterben.

Kurzflügelkäfern der Gattung Myrmedonia

Von den Kurzflügelkäfern der Gattung Myrmedonia (Größe 4-6mm) leben fast alle Arten unter Ameisen. Myrmedonia humeralis ist meist unauffällig in ruhigen Eken des Nestes zu finden. Bei kühlen Wetter wenn die Ameisen weniger aktiv sind und nachts werden sie zu Räubern und verzehren dann Ameisenbrut.

Schwebfliegenarten der Gattung Microdon

Schwebfliegenarten der Gattung Microdon Leben häufig in Ameisennestern werden aber nicht angegriffen. Sie wurden früher zu den harmlosen Nestbewohnern gezählt. Nach neueren Untersuchungen trifft das aber nicht zu. Sie ernähren sich in der Regel von der Brut der Ameisen [3].

Liste der genannten Arten:

- dunkler und heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling und andere Bläulingsarten
- Myrmedonia humeralis (Kurzflügelkäfer)
- Myrmedonia funesta (Kurzflügelkäfer)
- Gattung Zyras (Kurzflügelkäfer) z.B. Zyras limatus
- Drusilla canaliculata (Kurzflügelkäfer)
- Emphylus glaber - Schimmelkäfer - Schwebfliegenarten der Gattung Microdon Schwebfliegenarten

- Symphilie (Symphilen)

Sie werden auch die echten Ameisengäste genannt. Sie haben es im laufe ihrer Evolution gelernt das Erkennungssytem von Ameisen unwirksam zu machen und mit ihnen über chemische Signale zu kommunizieren [1]. Sie bringen die Ameisen sogar dazu sie pflegen, füttern und zu beschützen.

Beispiele:

Atemeles pubicollis

Atemeles pubicollis findet sich unter anderem auch in den Nestern der Kahlrückigen Waldameise (Formica polyctena). Sie werden, wie auch ihre Larven, genau so behandelt wie Ameisen. Die Larven des Gastes kopieren hierzu das Verhalten der nach Futter bettelden Ameisenlarven und können den Bestand des Ameisennestes schwächen. Ihr Betteln ist sogar intensiver als das der Ameisen was zu einer Bevorteilung bei der Fütterung führt.

Lomechusa strumosa

Die Kurzflügelkäfer Lomechusa strumosa oder Atemeles paradoxus sind echte Ameisengäste; sie kommunizieren vollständig in der "Sprache" ihrer Wirtsameisen (z. B. Formica sanguinea) und werden von ihnen gefüttert und verteidigt; auch ihre Larven beherrschen dieses Manöver; Larve und Käfer fressen daneben unbehelligt die Ameisenbrut.

Liste von Arten:

- Lomechusa strumosa (Kurzflügelkäfer)
- Atemeles pubicollis (Größe 4-5mm) (Kurzflügelkäfer)
- Atemeles paradoxus (Kurzflügelkäfer)
- Claviger testaceus (Kurzflügelkäfer)
- Claviger longicornis (Kurzflügelkäfer) - Zu den Symphilen gehören auch die Raupen einiger Bläulinge.



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Literatur :

- [1] Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas- Bernhard Seifert

- [2] Die Waldameise- Karl Gösswald

- Ameisengäste - Untermieder im Ameisennest

- [3] Lehrbuch Der Entomologie, Teil 1 von Konrad Dettner,Werner Peters


Interessante links :

- Ameisengäste - Untermieder im Ameisennest

- Ameisengäste - Wissenschaft - online

- Ameisengäste Lomechusa strumosa

- Beziehungen der Waldameise zu fremden Mitbewohnern

- Beziehungen der Waldameise zu fremden Mitbewohnern-2

- Der Bläuling und die Ameise (Wiesenknopf-Ameisenbläuling)

- Käfer der Gattung Amphotis - Ameisenwiki

- Gattung Myrmedonia


Letzte Änderung am 27.06.2013

  Kontakt: goldi@hm-noroc.de


Bücher zum Thema:


Walter Kirschner - Ameisen - Biologie und Verhalten

Mein Tipp für Einsteiger


Karl Gößwald - Die Waldameisen: Biologie- Ökologie und forstliche Nutzung

Wer sich intensiver mit Waldameisen beschäftigen möchte


Bernhard Seifert- Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas

Buch eher für Experten die sich für die Bestimmung der Arten interessieren.