>>>>>>>>> Schindergraben <


Wenn man von Hohnstein kommend auf dem Halbenweg in das Brandgebiet wandert, passiert man die steinernen Resten des ehemaligen Hohnsteiner Bärengartens. Kurz danach, nach einer steilen linksbiegung, zweigt ein blaumarkierter Wanderweg rechts in das Polenztal ab. Dieser Weg durch den Schindergraben verläuft hinter dem Bärengarten talabwärts um unmittelbar unterhalb der Gaststätte Polenztal die Polenz zu überqueren. Der Bärengarten war einst von einer hohen steinernen Mauer umgeben um das ausbrechen der Bären zu verhindern. Durch ihn fließt der Hohnsteiner Bach, der wie alle im Granodiorit entspringende Bäche, in der Regel ganzjährig Wasser führt.

Milzkraut im Hohnsteiner Schindergraben
Wechselblättriges Milzkraut

Der Schindergraben verdankt seinen Namen dem ehemaligen Hohnsteiner Schinder, auch Abdecker, Feldmeister oder Caviller genannt, der in einem Haus unterhalb der Burg Hohnstein lebte. Die Schinder gehöhrten zu den "unehrlichen Leuten" und wurden von anderen gemieden und ihr Haus lag meist am Rande einer Ansiedelung. Er war nicht nur zuständig um totes und totkrankes Vieh zu entsorgten, um damit der Entstehung von Seuchen und Krankheiten vorzubeugen, sondern auch der Gehilfe des Scharfrichters. Die Richtstätte von Hohnstein lag auf dem nördlich von Hohnstein gelegenen Galgenberg. Die letzte Hinrichtung auf dem Galgenberg zu Hohnstein erfolgte im Jahre 1795.

Die Erstmalige Erwähnung eines Schinders in Hohnstein geht auf das Jahr 1546 zurück. Als im Hohnsteiner Bärengarten noch wilde Bären gehalten wurden, gehörte es zu den Aufgaben des Abdeckers diese zu beköstigen. Hierzu wurden die Tierkadaver aus Hohnstein und dessen Umgebung verwendet [1].

Der untere Abschnitt des Schindergrabens ist ein typischer Schluchtwald. Der Untergrund ist feucht und felsig, die Luft ist auch im Sommer kühl und hat eine hohe Luftfeuchtigkeit. In der Schlucht erreicht nur wenig Licht den Boden. Dieses Klima bietet die besten Wuchsbedingungen für Bergahorn, Ulme und Esche (Fraxinus excelsior).

Die Bodenflora des Schindergrabens ist sehr artenreich. Zu finden sind unter anderen Waldbingelkraut (Mercurialis perennis), wechselblättriges Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium), gegenblättriges Milzkraut (Chrysosplenium oppositifolium) Waldsauerklee (Oxalis acetosella) und der wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosos). Seltene Farnarten wie Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris), Grüner Streifenfarn (Asplenium viride) und Natternzunge (Ophioglossum vulgatum) und viele Moose und Flechten finden hier ideale Lebensbedingungen.


Wilhelm Leberecht Götzinger im Schindergraben
Wilhelm Leberecht Götzinger

Um 1900 wurden im Hohnsteiner Revier zu Versuchszwecken Lawson-Scheinzypressen angepflanzt. Sie sind noch heute an mehreren Stellen im Brandgebiet zu beobachten. Einer der damals Ausgewählten Standorte war der Südhang des Schindergrabens. Die Lawson-Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana) gehört zu den nicht einheimischen Baumarten den sogenannten Neophyten. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Westen der USA. Im Gegensatz zu anderen nicht einheimischen Baumarten wie die Weymouthskiefer wird sie gegenwärtig im Nationalpark nicht aktiv zurückgedrängt.

Im unteren Abschnitt des Schindergrabens befindet sich ein Bildnis von Wilhelm Leberecht Götzinger. Götzinger wurde bekannt durch die erste ausführliche Reiseschreibung der Sächsischen Schweiz im Jahre 1804. An einem Felsen hat der Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz, durch den Bildhauer Friedrich Heynert aus Schandau als Zeichen der Dankbarkeit, ein Rundbild Götzingers herstellen lassen. Dieses wurde am 31. Juli 1887 in feierlicher Weise eingeweiht.

Durch den Schindergraben verläuft auch ein Abschnitt des Hohnsteiner Lehrpfades. Dieser Lehrpfad ist etwa 6 km lang, und erklärt auf 54 Tafeln die Geschichte der Burg- und Stadt Hohnstein, geologische Besonderheiten und erklärt in kurzen Texten interessante Themen aus der Natur.

Der Schindergraben befindet sich heute in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz, bis auf Maßnahmen zur Verkehrssicherung, bleibt die Natur sich hier selbst überlassen.

Im Winter 2013/14 wurden Verkehrsicherungsmaßnahmen von der Stadt Hohnstein im unteren Teil des Schindergrabens durchgeführt. Dieser Abschnitt macht momentan einen recht Wüsten Eindruck. Die Maßnahmen machten sich erforderlich, weil die durch einen Pilz abgestorbene Eschen, eine Gefahr für den Besucher darstellten.




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Literaturquellen: :

[1] Manfred Schober - Mitteilungsheft 11 Arbeitskreis Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsische Schweiz e. V.

[2) Richard Vogel- Werte unserer Heimat (Gebiet Königstein)


Interessante links :

- Wikisouce- Wilhelm Leberecht Götzinger


Letzte Änderung am 18.03.2014

  Kontakt: goldi@hm-noroc.de


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