>>>>>>> Tollkirsche (Atopa bella-donna) <


Familie:

Nachtschattengewächse

Vorkommen in der Sächsischen Schweiz:

Auf Grund von wenig kalkreichen Standorten ist die Tollkirsche eine eher seltene Pflanze in der Sächsischen Schweiz.

Name:

Wegen der Ähnlichkeit der Beerenfrüchte mit Kirschen und der Folgen des Genusses, die Erregungszustände bis zur Raserei und Tobsucht herbeiführen können, bezeichnet man sie als Tollkirsche. Der Gattungsname Atropa stammt aus der griechischen Sage. griech. = die unabwendbare, die Todesgöttin; so hieß die älteste der 3 Parzen, die den Lebensfaden abschnitt so wie das auch die Tollkirsche vermag.

Der Artname belladonna, lat., bedeutet schöne Frau, wegen der pupillenerweiternden Wirkung des Saftes der Beeren und somit zu schönen Augen und als Kosmetika genommen wurde. Wegen der Ähnlichkeit der Früchte mit Kirschen und der Giftwirkung auf den Menschen (Tobsucht), nannte man die Pflanze Tollkirsche. Weitere Namen waren Teufelskirsche, Wolfsbeere und Dollwurz. Der Gattungsname Atropa stammt aus der griechischen Sage.

Verbreitung:

Man findet sie in Mittel- und Südeuropa, im Norden bis Nordengland, im Osten bis zur Ukraine.

Standort:

Die Tollkirsche gedeiht an warmen Waldrändern, an Kahlschlägen und auf Lichtungen in Laub- und Laubmischwäldern. Sie braucht humusreichen und etwas kalkhaltigen Boden.

Blütezeit:

Die Tollkirsche blüht von Juni -August

Aussehen:

Tollkirsche (Atopa bella-donna)
Tollkirsche (Blüte)

Die Tollkirsche trägt glockige, außen braunviolette und innen gelbgrün gefärbte Blüten mit 5 Blütenblättern. Die Blüten werden bis zu 3 cm groß und stehen einzeln zwischen den oberen Laubblättern danach bildet sie ihre schwarzen, glänzenden, kirschgroßen Beeren.. Es stehen meist ein kleines und ein großes Blatt zusammen. Die Pflanze wird bis zu 150 cm hoch.

Insbesondere Kinder sollte man auf die Unterschiede zwischen einer echten Kirsche und einer Tollkirsche aufmerksam machen. Die Esskirsche hat einen Stein, während in der Tollkirsche einzelne Samen sitzen. Weiterhin hängt die Esskirsche an langen, dünnen Stielen und hat keinen ansitzenden Kelch. Die Tollkirsche hingegen sitzt an einem recht kurzen, dicken Stiel und hat einen breiten, ansitzenden Kelch.

Geschichtliches und Wissenswertes:

Die Tollkirsche wurde schon von Paracelsus (1493 - 1541) erwähnt. Sie diente früher als Heilmittel, wurde aber auch zu Giftmorden gebraucht. Besonders im Aberglauben und Hexenkult des Mittelalters spielte die Pflanze eine große Rolle. In Liebestränken und in den Hexensalben war unter anderem Tollkirsche enthalten; auf die Haut aufgetragen führte sie zu real erlebten Wahnvorstellungen, wie z.B. der Vorstellung zu fliegen.

In Hexenprozessen wurden die Angeklagten gezwungen Tollkirsche zu essen, wonach sie sich oft im Wahn selbst beschuldigten. Die Tollkirsche gehört neben dem Bilsenkraut und dem Stechapfel zu den "klassischen Hexendrogen" Auch die Kräuterbücher des Mittelalters beschreiben die Wirkungen der Pflanze. Hieronymus Bock empfiehlt sie bei Leber- und Magen Entzündung, bei Augen- und Ohrenleiden und als Wundsalbe. Er schreibt aber auch: "... / wann du aber dessen zuvil wolltest brauchen / so würt es dir bekommen wie dem Mann von Erbach bei Hohenburg Anno 1541. Gieng der selb man im Wald / unnd als er ungfähr diß gewächß mit seinen lustigen Beeren ersahe / aß er der selben eine gute schüssel voll / ward aber darnach am andern tag so Doll unnd ungeschickt / das man ihnen wolt gehn Widersdorff haben gefürt / ..." Und bei Mattioli lesen wir: "So man die Beer isset, machen sie denselben menschen so fast toll und unsinnig, als hette jn der teuffel besessen und bringen jn in tieffen unüberwiendlichen schlaff."

Wie schon erwähnt benutzten die Frauen im Mittelalter einen Tookirschenextrakt. Sie träufelten sich den Saft in die Augen was zu einer Popillenerweiterung führte . Erweiterte Popillen machten die Frauen für die Männer atraktiver. Dies bestätigen auch neuere Forschungen. Zwei Bilder bei einem die Augen künstlich am Computer vergrößert. Ergebnis große Pupillen machen atraktiver. Die ständige Verwendung führt zu nachlassender Sehkraft und kann zur Erblindung führen.

In einigen Alpenländern setzte man den Tollkirschensaft auch Bier und Wein zu, was die Wirkung dieser Getränke noch steigerte.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome:

Die Pflanze enthält die Alkaloide Atropin, (S)-Hyoscyamin und Scopolamin. Das Atropin, das sowohl in der Tollkirsche wie im Stechapfel vorkommt, ist in Wirklichkeit eine Mischung aus (S)-Hyoscyamin und (R)-Hyoscyamin. Der Giftgehalt der Tollkirsche ist entsprechend des Standortes stark verschieden. Gerade die Beeren sind für Kinder eine große Gefahr. Sie werden, wie schon erwähnt, leicht mit Kirschen verwechselt und schmecken obendrein noch süß. Die tödliche Dosis liegt bei Kindern zwischen 3 und 5, bei Erwachsenen zwischen 10 und 20 Beeren.

Die typischen Symptome einer Tollkirschenvergiftung sind Pupillenerweiterung ( Glanzaugen), fehlendes Erbrechen, trockene, gerötete und heiße Haut. Ferner kommt es zu Trockenheit der Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich, was Sprach- und Schluckstörungen zur Folge hat sowie zu Pulsbeschleunigung. Bei starker Vergiftung befällt den Patienten Unruhe, er leidet unter Weinkrämpfen und Rededrang sowie unter Tobsuchtsanfällen. Bei entsprechender Vergiftung kommt es zur Bewusstlosigkeit und zum Tod durch Atemlähmung.

Gebrauch in der Medizin:

Die Tollkirsche findet medizinische Anwendung in der Augenheilkunde; sie wirkt krampflösend bei Epilepsie und Asthma und wird bei Erkrankungen der Luftwege (Bronchitis, Reizhusten) eingesetzt. Ferner hemmt sie die Drüsensekretion und wird zur Behandlung des Parkin-sonismus genommen. Atropin ist auch ein wirksames Gegengift und wird vom Militär als Mittel gegen Nervengas gelagert.

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Interessante links :

- Ausführliche Beschreibung der Tollkirsche (Atopa bella-donna)


Letzte Änderung am 03.03.2013

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Bücher zum Thema:



Ein sehr gutes Buch zum bestimmen einheimischer Pflanzen.