>>>>>>>>>Gundermann (Glechoma hederacea) <


Vorkommen in der Sächsischen Schweiz:

Ist eine sehr häufig anzutreffende Pflanze an Bächen und in Schluchten. Beispiele sind das Polenztal, Amselgrund, Schindergraben und Bärenhohl.

Familie:

Lippenblütler

Name:

Althochdeutsch bedeutet Gund = Eiter und da die Pflanze früher gegen Eiterungen eingesetzt wurde, wird der Name wahrscheinlich daher stammen. "hederacea"(lat.) = "efeuartig" und bezieht sich auf die Blattform "glechon" (gr.), = Poleiminze (minzeähnliche Pflanze)

Geschichtliches:

Die Pflanze wurde früher als Wundheilmittel gebraucht. Sie enthält Gerbstoffe und einen Bitterstoff. Für Tiere ist sie giftig. G. hederacea war bis ins 17. Jahrhundert hinein wichtig für das Bierbrauen, worauf ihr englischer Trivialname "alehoof" ("ale" ist eine Biersorte, "hoof" bedeutete Kraut) zurückzuführen ist; sie wurde vom Hopfen (Humulus lupulus) abgelöst.

Gundermann als Zauberkraut: Abwehrmittel gegen allerlei Schädigungen, Zauber, Donner und Blitz. Gundermann macht hellsichtig für herumgeisternde Hexen. Der Gundermann ist eine alte Heilpflanze, die auch im Aberglauben des Mittelalters eine Rolle spielte. Bei den Germanen war der Gundermann dem Donnergott Donar geweiht. Es wurden Sträußchen dieser Pflanze in ihren Behausungen aufgehängt, um vor Blitzschlag gesichert zu sein. Auch als Milchzaubermittel wurde die Gundelrebe verwendet, wenn die Kühe nicht richtig Milch gaben, sie schlecht war oder sich nicht buttern ließ. Vorbeugend wurde die erste Milch nach dem Austrieb durch einen Gundelrebenkranz gemolken. Sie hieß volkstümlich auch Gundelkraut, Gundelrebe, Kollermann, Buldermann.

Verbreitung:

Fast ganz Europa, im Mittelmeergebiet eher im Bergland.

Standort:

Meist auf feuchtem Grund; Auwälder, feuchte Laubwälder, Mischwälder und Nadelforste, feuchte Wiesen; zuweilen auch auf Mauern; liebt feuchten, stickstoffhaltigen, schattigen Boden; sehr häufig.

Blütezeit:

April bis Juni, oft auch im Herbst.

Gundermann (Glechoma hederacea)
Gundermann (Glechoma hederacea)

Aussehen:

Eine kriechende Mehrjährige mit aromatischen, nierenförmigen Blättern, häufig purpurn angehaucht, die wellige Ränder haben; röhrenförmige zweilippige blaue bis malvenfarbige Blüten werden im Frühling und Frühsommer gebildet. H=15cm (gelegentlich bis zu 50cm), B=60cm.

Der Gundermann (auch Gundelrebe) wächst ähnlich wie Efeu und kriecht über den Boden und rankt an Zäunen. Seine Triebe werden bis zu einem Meter lang. Daher kann man aus ihm auch Kränze winden, was früher traditionell zur Walpurgisnacht gemacht wurde. Die Blätter sind herz- bis nierenförmig mit eingekerbtem Rand. Die violetten Blüten erscheinen schon recht früh im Jahr und stehen innerhalb der Blattachseln in Scheinquirlen. Da er gerne wuchert, bedeckt er innerhalb eines Jahres ziemlich große Bodenflächen und kann daher auch im Garten als gesunder Bodendecker eingesetzt werden.Wenn man ein Gundermannblatt zwischen den Fingern reibt, riechen diese herb-würzig und fühlen sich leicht schmierig an. Das schmierige Gefühl kommt durch das enthaltene öl, das der Hauptwirkungsträger für seine hautheilenden Eigenschaften ist.

Gesundheitlicher Wert:

Verwendbar ist die gesamte Pflanze. Blühende Pflanzen werden für Aufgüsse und Flüssigextrakte getrocknet. Verwendete Pflanzenteile: Für Heilkunde und Küche die gesamte blühende Pflanze, beziehungsweise Blätter und Blüten ohne Stengel.

Sammelzeit:

April bis Mai
Sammelvorschrift: Die oberirdischen Teile der Pflanze werden während der Blütezeit gesammelt und an einem geschützten und schattigen Ort getrocknet. Die Droge hat sowohl im frischen als auch im getrockneten Zustand einen schwach würzigen, aromatischen Geruch und einen würzigen, bitteren und herben Geschmack, der ein kratzendes Gefühl hinterlässt.

Inhaltsstoffe:

Ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoff Glechomin, Saponine, Harze, Wachse, Aminosäuren. Der Gundermann enthält 0,03% bis 0,06% ätherisches Öl, 3 - 7 % Gerbstoffe, den Bitterstoff Glechomin, Saponin, Cholin, Marrubiin (Diterpen), Rosmarinsäure, Sesquiterpene, Harze, Kohlenhydrate, Kalium, Flavoide, Vitamin C, verschiedene organische Säuren und Wachs.

Eigenschaften:

Bitteres, aromatisches, adstringierendes, harntreibendes, schleimlösendes Kraut; es stärkt die Bronchien, das Verdauungssystem und die Harnwege.

Gebrauch in der Medizin:

Schon Hildegard von Bingen verwendete die Gundermann gegen Fieber, chronischen Husten, bei allgemeinen Erschöpfungszuständen und Müdigkeit. Innerlich bei Katarrh, Ohr- und Nebenhöhlenentzündung, Bronchitis, Lungenschwäche Gastritis und Blasenentzündung; äußerlich bei Hämorrh Entschlackend, schleimlösend (Atemwege), entzündungshemmend, appetitanregend und verdauungsfördernd. Für ein sehr schönes Gesichtswasser kocht man eine Handvoll Gundermann in 500 ml Wasser zu einem Tee, lässt ihn erkalten und seiht ihn ab. Anwendung: äußerlich kann der Gundermann für schlecht heilende Wunden, vor allem bei Eiter (=Gund) verwendet werden. Dazu kannst du das Pflanzenöl, Kompressen oder Salben verwenden. Innerlich dient er der Anregung der Stoffwechsels und hilft bei langwierigen Krankheiten. Auch hier besteht der Bezug zum Eiter. So hilft er bei chronischer Bronchitis, chronischem Schnupfen, Blasen- und Nierenkrankheiten. Hierfür eignet sich eine Tinktur.

Äusserlich:
Bei Ausschlägen, Ekzemen, Ischiasleiden und Gicht, kann man ein Bad mit Gundermann machen um die Muskeln und Gelenke zu kräftigen. Bad: Herfür nimmt man 5 Handvoll Gundermannkraut in 5 Liter Wasser aufkochen, abseihen und dem Badewasser zufügen. Für Teilbäder reicht entsprechend weniger. Richtwert: Pro Liter eine Hand voll.
Innerlich:
Bei chronischen Krankheiten wie Bronchitis, Schnupfen, Schleimhautentzündungen, stärkt Herz und Kreislauf, Kräftigungsmittel bei allen langwierigen und hartnäckigen, zehrenden Krankheiten, langwierige Stoffwechselerkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, immer wenn Eiter entstanden ist, auch bei eitrigen Bronchialerkrankungen, Harn- Blasen-Nierenentzündungen, bei chronischem Schnupfen und Husten, Verschleimung der Lungen und Ohrenklingeln durch Schleimansammlung. Den Tee macht man wie normalen Kräutertee Menge: 3 mal am Tag 1 Tasse bis zum Abklingen der Beschwerden. Gundermann kann man auch als Tinktur oder Öl verwenden Bei eiternden, schmerzenden Zähnen und wundem Zahnfleisch kann man eine Spülung mit Gundermann machen. Rezept wie das Bad. Dieser Sud als Gesichtswasser (kalt werden lassen und dann erst absieben) reinigt die Haut und soll gegen Akne helfen. In homöopathischer Form wird Gundermann bei Hämorrhoiden und Durchfall gegeben.

Geschmack:

Bitter, scharf-würzig, aromatisch

Mit Gundermann würzt man:

Durch seinen scharf-würzigen Geschmack eignet er sich als Beigabe zu Suppen, Gemüse und Kartoffelgerichten sowie zu Salaten oder Quarkspeisen, sollte vornehmlich im Frühling gesammelt werden. Die Blüten können eine Maibowle bereichern. Die Blätter der Gundelrebe lassen sich das ganze Jahr über als Zutat zu Quarkaufstrich, Kräuterbutter, Gemüsegerichte, Suppen und Salate verwenden. Da er angenehm würzig schmeckt, liebe ich ihn auch als Küchengewürz und gebe ihn zu Kräutersuppen, Kräuterbutter und allem anderen, wofür ich Gartenkräuter verwende. Gundermann gehört in die Gründonnerstagssuppe.

 Seitenanfang


Letzte Änderung am 06.02.2011


Bücher zum Thema:



Ein sehr gutes Buch zum bestimmen einheimischer Pflanzen.